News

Bikecount Hawaii

Welche Räder wurden am meisten beim Ironman Hawaii gefahren? Der akteulle Bike-Count.

weiter …
 

Google-Anzeigen


Home arrow Science arrow Schwimmen mit Biss
Schwimmen mit Biss
Freitag, 03 März 2006

Der HaifischDer Hai – Inbegriff von Anpassung an seinen marinen Lebensraum. Kaum ein Wasserlebewesen schwimmt schneller, kaum eines besitzt einen raffinierteren Körperbau und kaum eines jagt so effizient wie der „Räuber der Meere“. Doch was genau macht den Hai zu einem Hochleistungsschwimmer?







Schwimmen mit Biss – wie die Schuppen des Hais für Geschwindigkeit sorgen


Das Geheimnis liegt in seinen höchst eigenen Körperschuppen. Was an ihnen so besonders ist und wie bisher in der Bionik versucht wurde, das Prinzip der Haihaut auch für menschliche Schwimmer nutzbar zu machen, erfahrt ihr in diesem Artikel.


Einleitung

Wer den Körper eines Hais betrachtet, der erkennt, wie perfekt angepasst der große Fisch an das Leben im Wasser ist: der stromlinienförmige Körperbau, die fünf offenen Kiemenspalten, die kräftigen Flossen, das im Verhältnis zu seiner Statur große Maul mit seinen dolchartigen Zähnen zeichnen ihn aus – ganz gleich, welche Rasse man untersucht.

Zwar existieren viele Tierarten, die sich in Jahrmillionen an die marinen Gegebenheiten angepasst haben. Doch was macht den Hai zu einem derart herausragend schnellen und daher effizienten Jäger? Immerhin kann er Geschwindigkeiten von bis zu 70 km/h erreichen.

Streicht man mit der bloßen Handfläche über seine Haut gen Körperende, so kann man die Antwort auf diese Frage schon erfühlen: Der Hai besitzt eine schmirgelpapierähnliche, mit feinsten spitzen Schuppen besetzte Haut. Diese sind dabei derart klein, dass man sie mit bloßem Auge kaum erkennen kann; zieht man mit größerer Kraft gegen den „Strich“, so kann man sich die Handfläche sogar aufreißen.


Hauptteil

Diese Schuppen sind dabei alles andere als gewöhnlich. Anders als andere (Knochen-)Fische besitzt der Hai gar keine „Schuppen“ im eigentlichen Sinne. Sie bestehen nicht – wie üblich – aus verhornten Hautzellen, sondern sie sind kleine spitze Zähne. In Jahrmillionen entwickelten sich langsam aus den ursprünglich nur im Maul vorkommenden Zähnen die feinen und über den gesamten Körper verteilten „Schuppen“, wie sie sich uns heute auf der Haihaut darbieten.

Im wahrsten Sinne außergewöhnlich an dieser speziellen Art von „Schuppen“ ist also, dass sie sich im Zuge der Evolution aus den einst auf ihre Rolle als Mundwerkzeuge beschränkten Organen entwickelt haben.

Die Biologie spricht dabei von „Homologie“ (von gr. homolégeo = „übereinstimmen“): Die Zähne des Haimauls und die Haischuppen sind auf ein gemeinsames „Vorgängerorgan“ zurückzuführen – eben die Zähne aus dem Maul eines Vorfahren – und besitzen daher ein gleiches Grundbaumuster.

Da u.a. auch wir mit dem Hai einen gemeinsamen Vorfahren teilen, sind die menschlichen Zähne und die Haischuppen ebenfalls homologe Organe.

Hier ist das beiden eigene Grundbaumuster – und letztendlich die Verwandtschaft beider Organe – sehr gut nachzuvollziehen: Sowohl die Haischuppe als auch der Säugetierzahn besitzen trotz unterschiedlicher Größe und Form folgende gemeinsame Charakteristika:

 

1.) einen Schmelz als oberste Schicht

2.) darunter das Dentin (Zahnbein)

3.) und eine Höhle (Zahn- bzw. Schuppenhöhle)

Schema


Es bleibt jedoch noch die Frage offen, wozu eine derart raue Haut zum Schwimmen überhaupt gut sei. Zwar sind alle Zähne, die sich vom Maul aus über den gesamten Körper ausbreiten, nach hinten (also dem Wasserstrom angepasst) gerichtet (siehe Abb.1). Dennoch erscheint auf dem ersten Blick die Frage, ob nicht eine ganz glatte Hautoberfläche effizienter wäre, angebracht. Viele andere Meerestiere – vor allem die Säuger – besitzen eine derart ebene Hautoberfläche.

In Wirklichkeit profitiert der Hai von seiner rauen Haut jedoch ungemein. Das Phänomen, welches dem Verhalten des Wassers an der Hautoberfläche zugrunde liegt, bezeichnet man als laminare Strömung (von lat. lamina = „die Platte“). Hierunter versteht man die Strömung einer Flüssigkeit (oder eines Gases), bei der keinerlei Verwirbelungen oder Querströmungen (also Turbolenzen) entstehen.

Im Falle des Haies bedeutet dies, dass das Wasser in Schichten an der Haut entlang strömt, ohne dass sich diese vermischen (siehe Abb.2). Für diesen optimierten Wasserfluss entlang des Körpers sorgen dabei die kleinen Zähne auf der Haut; der Hai spart durch dieses Verhalten des Wassers entlang seiner Hautoberfläche beträchtlich Energie ein. Im Umkehrschluss lässt sich auch sagen, dass der Hai bei einem bestimmten Energieaufwand wesentlich schneller schwimmen kann, als wenn er eine Hautoberfläche besäße, die diese günstigen Strömungsbedingungen nicht gewährleisten würde.

Laminarströmung


Bionik

Natürlich wurde auch die Bionik auf dieses raffinierte, ökonomisierte Prinzip aufmerksam. In dem Bestreben, die Haihaut nachzuempfinden, entwickelte der Schwimmbekleidungshersteller „SPEEDO“ den „FASTSKIN“, einen Schwimmanzug, der wie die Haihaut an seiner Oberfläche fein gefächerte „Zähne“ besitzt.

Vier Jahre lang testete und entwickelte „SPEEDO“ seinen Haianzug, ehe er von den Schwimmern der deutschen Nationalmannschaft bei der EM 2000 in Helsinki eingesetzt wurde. Dabei kam es nicht darauf an, bloß die zahnartige Oberflächenstruktur herzustellen; auch die Nähte wurden entlang der großen Muskelgruppen angeordnet, so dass sie die Funktion von Sehnen übernehmen. Die deutschen Schwimmer zogen nach der EM ein positives Resümee:

Zwar sei das Gefühl auf der Haut etwas ungewohnt (Der Anzug aus Elastan muss sehr eng an der Haut liegen, um zum einen den „Haifischhauteffekt“ bestmöglich zu gewährleisten und um zum anderen die Muskelkontraktionen des Schwimmers zu verbessern), doch sei das Wassergefühl sehr gut und die Aquadynamik vollends gewährleistet. Sollte der High-Tech-Anzug letztendlich sogar für die sehr gute Leistung durch die Deutschen verantwortlich gewesen sein (u.a. wurden neue Bestzeiten und einige Rekorde – darunter ein Weltrekord – aufgestellt)? Drei Prozent Geschwindigkeitsgewinn soll der „FASTSKIN“ damals gebracht haben – gerade auf den kurzen Strecken wichtig beim Kampf um die Zehntel.

Anzug


Auch der Konkurrent „SPEEDOs“, „arena“ stellte sein eigenes Modell eines Haifischanzuges her, den beispielsweise Franziska van Almsick schwamm.

Einigen Schwimmern ist die neue Technologie zu suspekt: Das Wassergefühl, die Wasserlage oder einfach die Tatsache, einen engen Ganzkörperanzug zu tragen, ist so manchem Schwimmer einfach zu ungewohnt. So kam es, dass nach der Premiere der ersten Variante eines Haifischanzuges bei der EM 2000 nicht gleich das Gros der Schwimmer auf den Zug aufgestiegen ist oder bei dem Anzug blieb. Ein prominentes Beispiel hierfür stellt der „Schwimm-Zar“ Alexander Popov dar – stets mit klassischer kurzer Schwimmhose bekleidet.

Nichts desto trotz geht die Entwicklung in Sachen „Haifischanzug“ weiter: Neue Materialien werden verwandt, kombiniert, die Strömungseigenschaften noch weiter verbessert. Letztendlich entstehen neue Generationen von Haifischanzügen, wie es der Schwimmbekleidungshersteller „SPEEDO“ derzeit mit seiner neuesten Variante, den Anzügen der Serie „FASTSKIN FSII“, zeigt.

Fastskin FSII


Schwimmen wie der Hai – ein Traum, den man leider nur zum Teil ausleben kann, denn auch die beste künstliche Haifischhaut wird den Menschen nicht so schnell sein lassen wie es der „Räuber der Meere“ ist. Dieser ist nämlich zehnmal schneller unterwegs als der beste menschliche Schwimmer.

Christian Wachter

 
< vorheriger Artikel   nächster Artikel >

- Anzeige -

ActiveEurope
Zoggs
© 2008 TriComponents.info Triathlon - Produkttests