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Alles Zucker oder was? Einer der
grundlegenden Nährstoffe menschlicher Ernährung sind die Kohlenhydrate. Nicht
nur, dass der Großteil organischer Materie der gesamten Welt aus ihnen besteht,
sie sind auch die Energiequelle eines
jeden Sportlers. Was sich hinter den energiereichen Kohlenstoffverbindungen
verbirgt und wie sich ein Athlet optimal versorgen kann, sei im Folgenden
erläutert.
Grundsätzliches
Neben dem Wasser, den
Mineralstoffen, Fetten und Proteinen stellen die Kohlenhydrate – oder auch
Saccharide – eines der elementaren Bausteine in der Ernährung dar. Ihre Rolle
ist ganz klar definiert: Saccharide dienen als Energiequelle für die Muskeln im
Körper und müssen daher vermehrt und kontinuierlich aufgenommen werden (à
Ernährungspyramide).
Gebildet werden diese
Polyalkanole zuvor von den grünen Pflanzen durch Photosynthese. Die
Ausgangsstoffe hierfür sind Kohlendioxid (CO2)
und Wasser (H2O).
Wie der Name schon verrät, so
enthalten die energiereichen Moleküle viele Kohlenstoffverbindungen
(Formelzeichen für Kohlenstoffatome = C). Die Mitte des 19. Jh. entstandene
Bezeichnung „Kohlenhydrat“ ist allerdings streng genommen falsch – die an den
C-Atomen angelagerten Wasser- (Formelzeichen H) und Sauerstoffatome
(Formelzeichen O) liegen in Form von OH-Gruppen und einzelnen H-Atomen, eben
nicht als Wasserstoffmolekül (H20) vor. Es
kann von einem Hydrat der Kohle somit nicht die Rede sein (gr.: „hydror“ =
Wasser).
 Aufbau, Eigenschaften und verschiedene Saccharide
Zwar gelten die bislang
geschilderten Fakten für alle Saccharide, doch Kohlenhydrat ist nicht gleich Kohlenhydrat;
viele verschiedene Varianten fallen durch Unterschiede im Aufbau sowie in der
Komplexität des einzelnen Saccharid-Moleküls auf. Eine allgemeine Summenformel
lässt sich jedoch aufstellen: CmH2nOn.
Man versteht unter Kohlehydraten
im Allgemeinen Zucker. Bei den weniger komplex aufgebauten lässt sich das noch
gut nachvollziehen, denn zu ihnen gehören die allseits bekannten Trauben-,
Frucht- oder Rohrzucker. Die komplexeren sind dagegen lediglich
Aneinanderreihungen der Moleküle jener einfacheren Kohlenhydrate. Grundsätzlich
zu unterscheiden sind dabei Monosaccahride (Einfachzucker, aufgebaut aus einem
einzigen Saccharidmolekül), Disaccharide (Doppelzucker, aufgebaut aus zwei
Monosaccharidmolekülen), Oligosaccharide (gr.: „oligos“ = wenig; bestehend aus
bis zu zwölf Monosaccharidmolekülen; gehören eigentlich zu den Polysacchariden,
dienen lediglich der besseren Unterscheidung) und Polysaccharide
(Mehrfachzucker, Kette aus vielen Molekülen).
Diesen unterschiedlichen Gruppen
lassen sich die verschiedenen Formen eines Kohlenhydrats zuordnen; innerhalb
der Monosaccharide weichen die verschiedenen Zucker in der Lage der an die
C-Atome angelagerten Verbindungen ab. Bei Saccharide, die aus mehreren
Monosaccharidmolekülen bestehen, kommt es darauf an, welche
Einfachzuckermoleküle diese genau sind und wie deren Anordnung ist. Allen
gemein ist jedoch der grundsätzliche Aufbau, wobei entweder eine Ringform oder
eine offene Kette vorliegen kann. Die wichtigsten wie auch bekanntesten
Kohlenhydrate lassen sich wie folgt auflisten:
Monosaccharide:
- Glukose (Dextrose, Traubenzucker,
gr.: „glycys“ = süß) in Ring- und offener Form

- Fruktose (Ketose, Laevulose, Fruchtzucker, lat.: "fructus" = Frucht)

Disaccharide:
- Saccharose (Rohrzucker) 
- Maltose (Malzzucker) 
- Laktose (Milchzucker) 
Polysaccharide:
- Stärke 
- Amylose 
- Amylopektin 
- Glykogen 
- Cellulose 
Die Verbindungen zwischen den
Einzelmolekülen lassen sich durch Säuren und Enzyme lösen, somit langkettige
Kohlenhydrate in mehrere kürzerkettige aufspalten. Dies ist mit jeder
Saccharidkette möglich, bei einigen sind allerdings z.T. sehr starke Säuren
vonnöten. So lässt sich beispielsweise aus Holz, welches größtenteils aus
Cellulose besteht, theoretisch Zucker gewinnen. Ob das Endprodukt jedoch zu
genießen ist, darf bezweifelt werden, denn die benötigte äußerst starke Säure
müsste hierfür mit einer nicht minder starken Base neutralisiert werden.
Eine besondere physikalische
Eigenschaft einiger Monosaccharide ist die optische Aktivität: lässt man
polarisiertes (gerichtetes) Licht durch eine Lösung des Einfachzuckers
strahlen, so wird es entweder nach links oder nach rechts gedreht. Entsprechend
wird ein linksdrehendes Monosaccharid Laevulose (lat.: „laevus“ = links), ein
rechtsdrehendes Dextrose (lat.: „dexter“ = rechts) genannt.
Der Mensch und die Verwertung der Kohlenhydrate
Grundsätzlich lässt sich sagen,
dass der Mensch für die Energiegewinnung Einfachzucker benötigt. Längerkettige
Kohlenhydrate müssen daher im Körper verdaut, d.h. gespalten werden. Je länger
die Saccharidkette dabei ist, desto länger dauert es, bis seine Energie
bereitgestellt wird.
Die Verdauung von Kohlenhydraten
beginnt bereits im Mund: Im menschlichen Speichel ist das Enzym Ptyalin (gr.:
„Ptyalon“ = Speichel) enthalten, welches die Aufspaltung von Oligo- und
Polysacchariden katalysiert. Merken lässt sich dies auch, indem man längere
Zeit lang auf einem Stück Weißbrot kaut, bis es leicht süßlich schmeckt.
Ist ein Saccharid hinreichend
zerlegt, gelangt es schließlich über das Blut in die Körperzellen. Dort befinden sich die
Mitochondrien – Organellen, die für die Aufbereitung des Kohlenhydrats
verantwortlich sind und daher auch „Kraftwerke der Zellen“ genannt werden. Besonders
viele Mitochondrien liegen in den Zellen der Muskeln vor, für dessen Aktivität
die bereitgestellte Energie benötigt wird. Hier wird im Rahmen der Zellatmung
unter Sauerstoffverbrauch Adenosintriphosphat (ATP) gebildet – der Energieträger des Körpers
schlechthin, welcher alle Vorgänge versorgt, so auch die Muskelkontraktion.
Werden nicht alle Kohlenhydrate,
die man durch die Nahrung aufgenommen hat, so „verbrannt“, werden sie
schließlich in Form von Fett eingelagert, quasi als „Reserve“. Als
Kohlenhydratform kann keine Reserve angelegt werden.
Und selbstverständlich variieren
auch die Brennwerte verschiedener Kohlenhydrate untereinander, was der Dextrose
nicht zu Unrecht den Ruf eines schnellen „Fitmachers“ verliehen hat.
„Carbo-Loading“ – wie der Athlet auftanken kann
- Warum die Nudeln eher al dente sein sollten:
Vorbereitungszeit ist Nudelzeit.
Um sich zwischen den Trainingstagen zu stärken, sollte das kohlenhydratreiche Gut
jedoch nicht zu weich gekocht werden. Geschieht dies, so zerfallen die
Saccharidketten in zu kleine Teile, was zur Folge hat, dass man später kürzer
von den Kohlenhydraten zehren kann. Sind die Nudeln hingegen al dente, so bleibt
ein relativ konstanter Pegel über einen längeren Zeitraum erhalten, was auch
zur Folge hat, dass der Blutzuckerspiegel nicht zu sehr ansteigt.
- Alternativen zu Nudeln:
Wer sich beinahe jeden Tag von
Nudeln ernährt, um den leeren Energietank wieder aufzufüllen, mag auf die Dauer
vielleicht etwas gelangweilt sein. Hier empfehlen sich wirklich sinnvolle,
vergleichbar kohlenhydratreiche Alternativen, wie Reis, Zartweizen, Linsen oder
auch Kartoffeln. Man sollte jedoch darauf achten, dass man gleichzeitig nicht
zu viele Ballaststoffe zu sich nimmt. So enthält Vollkornbrot zwar reichlich
langkettige Saccharide, aber eben auch reichlich der erwähnten Ballaststoffe,
die Magen und Darm intensiv beschäftigen. Hier kann es zu unangenehmen
Magen-/Darmproblemen während der Trainings- oder Wettkampfeinheit kommen. Zwar
enthalten auch die genannten Nudelalternativen Zartweizen und Linsen eine
(nicht allzu hohe) Menge an Ballaststoffen, dafür aber mehr Mineralien als die
Nudeln.
- Die schnellen Energiequellen:
Allseits bekannt sind die
diversen Gels oder Riegel für den Ausdauersport – reich an kurzkettigen (Gels)
und langkettigen (Riegel) Kohlenhydraten, also rasch in der Versorgung, da sie
umgehend in das Blut gelangen. Sie können deshalb inmitten oder sehr kurz vor
einer Belastung eingesetzt werden.
Der Zucker des Gels äußert sich
oft in einem kurzfristigen Energieschub, der Riegel wirkt in der Regel nicht so
schnell, was ebenso für die ungebrochen beliebte Banane gilt.
„Hausmittel“ für die schnelle und
verdauungsfreundliche Aufnahme von Kohlenhydraten beim Frühstück am
Wettkampftag sind Weißbrot mit Nuss-Nougat-Crème oder Honig oder ein
Cola-Apfelsaft-Gemisch.
- Blutzuckerspiegel: Warum „isotonisch“ das Schlagwort des Athleten
sein sollte:
Bei der Aufnahme von Sacchariden
sollte man zwar nicht zu nachlässig sein (es droht hierbei ein so genannter
„Hunger-Ast“), jedoch auch nicht übertreiben. Gelöster Zucker wirkt osmotisch,
d.h. liegt ein Konzentrationsunterschied an solchen gelösten osmotisch
wirksamen Teilchen auf den zwei Seiten einer Zellmembran vor, kommt es zu einem
Konzentrationsausgleich, indem Wasser von der weniger konzentrierten Seite
durch die Membran zur höher konzentrierten fließt. Dies bezeichnet man
als Osmose (gr.: „osmos“ = Stoß, Schub).
 Ist die Menge an Zuckermolekülen
im Blut zu hoch wirkt dieses hyperton, d.h. den Körperzellen wird Wasser
entzogen, bis sich die Konzentration an gelösten osmotisch wirksamen Teilchen
in Blut und Zelle gleichen. Ist die Menge der Zuckerteilchen hingegen zu
gering, wird man müde. Hier ist das Blut hypoton, die Zellen nehmen Wasser auf.
Man sollte also am besten den
Mittelweg suchen, und Zucker so aufnehmen, dass keines dieser beiden Extrema
auftritt. Nimmt man beispielsweise ein Getränk zu sich, dessen Konzentration an
gelöstem Zucker in etwa der Konzentration an gelösten osmotisch wirksamen
Teilchen in Blut und Zellen entspricht, kommt es zu keinem Wasserfluss; man
wird also weder müde noch durstig. Bei einer solchen Gleichheit der
Konzentrationen spricht man von Isotonie – entsprechend existiert die
Bezeichnung „isotonische Getränke“. Bei der Aufnahme vieler kurzkettiger
Kohlenhydrate sollte man folglich darauf Acht geben, stets ausreichend zu
trinken.
Christian
Wachter
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