Der Nike Free ist in seiner neuen Auflage erschienen. Er
wurde robuster verarbeitet, dezente Farbvariationen tragen zu einer netten
Auswahl bei. Wie sieht es allerdings mit der Funktionalität beim 5.0 v2 aus?
Der Free der ersten und zweiten Generation war ebenso
geliebt wie gehasst. Geliebt aus dem Grund, da er selbst beim Tragen während
der alltäglichen Mobilität einen gewissen Trainingseffekt bietet (im Folgenden
wird näher darauf eingegangen). Gehasst, da die Halbwertzeit des Schuhs, und
hier ist vordergründig das Obermaterial des Fersenbereichs gemeint, sehr gering
war. Alle uns bekannten Athleten, die den Free 5.0 trugen, hatten offene
Fersen. Der Free in der überarbeiteten Version soll das allseits bekannte
Problem behoben haben. Wie sieht es tatsächlich aus?
Verarbeitung
Seit mehreren Wochen haben wir uns nun mit dem Free im
Alltag als auch im Sport befasst – der Schuh hielt einwandfrei. Keinerlei
offene Nähre oder Ansätze zu einem Riss in bewegungsintensiven Bereichen. So
soll es sein. Rückblickend kann man nur sagen, dass es schade ist, dass Nike
dieses Problem erst jetzt behoben hat, denn das Problem ist sicherlich nicht
nur bei den Athleten bekannt. Nike richtete sogar einen Reparaturservice für
den 5.0 ein. Kurzum: der Free 5.0 v2 weist keinerlei vorzeitigen
Materialverschleiß auf.
Theorie
Wie in unserem Artikel zum Free 5.0 würden wir noch einmal
gerne verdeutlichen, welche Intention hinter dem Free steht. Seit einigen
Jahren wir der Free als „natürlicher“ Laufschuh beworben, was dadurch zu verstehen
ist, dass aufgrund der Segmentierung der Laufsohle ein enormer Bewegungsbereich
des Fußes entsteht. Im Gegensatz zum konventionellen Schuhwerk ist der Fuß im
Free aktiver, er geht mehr Richtungsänderungen ein, was effektiv bedeutet, dass
mehr Fußmuskulatur angesprochen wird. Wissenschaftlich erwiesen ist, dass
konventionelle Schuhe, ob im Sport oder im Alltag, durch die verbauten
Technologien zunehmend mehr Funktion des Fußes übernehmen, was maßgeblich die
Dämpfung und die Stabilität ausmacht. Dies kommt dadurch zustande, dass der Fuß
relativ fix im Schuh liegt und der Abrollbewegung der Schuhkonstruktion
unterworfen ist. Wie bereits geschildert, ist dies beim Free nicht der Fall. Der
Fuß schöpft so sein nahezu volles Spektrum an Bewegung aus, was letztendlich
von Nike als „natürlich“ aufgefasst wird. In der Tat kommt der Free dem
Barfußlaufen sehr nahe und vor allem aktive Läufer (Vor- oder Mittelfuß) werden
im Free ein gutes Schuhwerk finden, um laufartenspezifische Muskeln weiterhin
durch das Schuhwerk zu unterstützen. Aber Vorsicht vor Überlastungen: Der Free
ist nach und nach zu tragen, was meint, dass es Gewöhnungsphasen wie den Alltag
geben sollte, bevor man kürzere Strecken mit ihm Läuft. Es sei auch erwähnt,
dass der Free in jeglicher Ausführung kein Langdistanzschuh ist.
Noch einmal zum Bewegungsspektrum durch den Free: Lernt der
Fuß, aus seiner starren Haltung erneut natürlicher zu gehen und zu laufen, dann
werden propriozeptorische Reize um ein vielfaches besser verarbeitet, da die
Propriozeption (Eigenwahrnehmung) steigt. In der Praxis könnte es so aussehen,
dass man ein Umknicken im unwegsamen Gelände vermeiden könnte, da die
Rückmeldung des Fußes schneller verarbeitet wird, da Rezeptoren hierfür
ausgeprägter sind, und durch die gestärkte Muskulatur wird dem Umknicken
entgegengewirkt. Durch statischere Schuhe ist diese Eigenwahrnehmung weniger
gut ausgeprägt.

Praxis
Als erstes ist aufgefallen, dass der Free in der neuen
Version im Vergleich zum Vorgänger etwas steifer wirkt Das „Free-Gefühl“ war
etwas ausgeprägter in der 5.0er-Variante. Dennoch wird dem Free-Prinzip kein
Abbruch getan: Der Bewegungsspielraum ist unvergleichlich hoch, zudem ist der
Schuh äußerst angenehm zu tragen. Für kurze Läufe bis hin zu 10 km hatten wir
keinerlei Probleme mit dem Schuh. Er lief sich sehr locker und bevorteiligt
eindeutig Vorfußläufer. Aber selbst Fersenläufer werden kaum Probleme mit dem
leichten Schuh haben. Lediglich auf der Bahn bei sehr schnellen Einheiten oder
bei intensiveren Lauftechnikeinheiten war der Free zu schwammig, da das
Obermaterial des Schuhs den Fuß nicht ausreichend bei Seitenkräften
stabilisiert und im Sohlenbett fixiert.
Fazit
Der Free 5.0 v2 ist rundum gelungen. Endlich keine
Materialprobleme, allerdings nach Aussagen unserer Probanden etwas weniger
„Free“ als der Vorgänger – mehr Materialstabilität für geringfügig weniger
Freiheit als zuvor. Auf die aktuelle Version kann man sich verlassen. Viele
Athleten haben dies bereits erkannt. So werden auch wir nach diesem Artikel den
Free, ob als Trail oder in der normalen Version, weiterhin nutzen, denn die
Gesundheit wird es danken.
Dennis Wachter
Neben dem nachwievor aktuellem Modell Free Trainer wird die Free-Familie ab Januar kommenden Jahres vom Free 3.0, 5.0 und 7.0 bereichert. Hier schon einmal ein kleiner Vorgeschmack:

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