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Kaum ein zweites Label ist bei Funktionsbekleidung so
populär und gerühmt wie das, auf dem „Gore-Tex“ zu lesen ist. Bekannt dafür,
höchst atmungsaktiv, dabei jedoch absolut wasserundurchlässig und winddicht zu
sein, sprechen solche Textilien die Bedürfnisse verschiedenster Sportler an.
Verantwortlich für diese Funktionalität ist die in den Bekleidungsstücken
eingearbeitete Gore-Tex-Membran. Was es genau mit dieser auf sich hat, woraus
sie besteht und wie sie funktioniert, könnt ihr im Folgenden nachlesen.
Aufbau, Form und
Wirkungsweise:
Grundsätzlich ist die Gore-Tex-Mambran eine hauchdünne, in
das eigentliche Textil eingearbeitete und somit für den Betrachter nicht zu
sehende Folie. Sie besteht aus dem Kunststoff Polytetrafluorethylen (PTFE),
ist nur 0,02 mm stark und besitzt feinste Poren, die bei der Herstellung durch
Strecken des PTFE entstehen. Solche expandierten, mikroporösen ePTFE-Membranen
besitzen eine Porendichte von mehr als 1,4 Milliarden pro Quadratzentimeter und
werden auf eine Textilschicht geklebt (laminiert).  Die Poren sind dabei auch das eigentliche Geheimnis der
Membran und sorgen für die drei gewünschten Effekte:
1. Atmungsaktivität: Schwitzt man, so verdunstet der warme Schweiß rasch. Die Moleküle des
Wassers, welches gasförmig von der Haut wegströmt, können ohne weiteres durch
die Membran hindurch an die Oberfläche der Bekleidung gelangen, denn die
Membranporen sind ungefähr 700-mal größer als ein solches H2O-Molekül.
2. Wasserabweisung: Gelangt Wasser allerdings in flüssiger Form an die Membran,
so kann es diese nicht über die Poren passieren. Zu erklären ist dies dadurch,
dass sich die Wassermoleküle nicht wie in der Gasform einzeln frei voneinander
bewegen, sondern in Wassertropfen zusammen gelagert sind. Diese sind jedoch mindestens
20.000-mal größer als die feinen Poren, können selbige folglich nicht
passieren. Mit diesem Wirkungsprinzip wird für Kleidungsstücke mit der
Gore-Tex-Membran eine Wassersäule von mehr als 28 Metern erreicht. 
3. Winddichtung: Die Membranstruktur an sich gleicht einem Gitter oder Netzgeflecht.
Trifft nun Wind auf das Kleidungsstück, so kann dieser zwar in die Membran
eindringen. Doch noch innerhalb der Porengänge verwirbelt er und wird in ihrer
Längsrichtung abgeleitet. Im Ergebnis wird eine perfekte Winddichtung erreicht.  Prinzipiell liegen bei der allseits bekannten
Windstopper-Membran derselbe Aufbau wie auch die gleiche Wirkungsweise vor; im
Vergleich zu ihrem Gore-Tex-Pandan ist sie jedoch noch dünner konstruiert. Entscheidend
hinzu kommt, dass ihre Seitenenden auf einer Kleidungskomponente (z.B. den
Ärmeln oder der Frontpartie) nicht miteinander verschweißt werden. D.h., dass
an Nahtstellen eines Bekleidungsstückes sehr wohl Wasser eindringen kann. Der Schwerpunkt bei Produkten mit dem Windstopper-Logo liegt somit auf
Atmungsaktivität (diese ist aufgrund der geringeren Stärke der Membran etwas
höher als bei Gore-Tex) und vor allem – wie es schon der Name verlautet – auf
das Windblocken. „Guaranteed to keep you dry“ ist ein viel gelesenes Versprechen,
das sich auf komplette Kleidungsstücke – und zwar mit der Gore-Tex-Membran,
nicht auf Windstopper-Produkte – bezieht.
Letztlich wird hieran deutlich, dass für die Funktionalität der Kleidung
nicht allein eine Klimamembran an sich, sondern auch deren Verarbeitung
verantwortlich ist.
Alles in allem ergibt sich, dass man ohne weiteres strömendem
Regen ausgesetzt sein kann, ohne fürchten zu müssen, durch ein Textil mit der Gore-Tex-Membran
hindurch nass zu werden; gleichzeitig schützt ein solches vor Wind und somit
vor raschem Auskühlen. Darüber hinaus führt sportliche Betätigung aufgrund der hervorragenden
Atmungsaktivität nicht gleich dazu, dass Haut und Innenseite des Kleidungsstückes
durch den eigenen Schweiß erheblich feucht werden.
Verantwortlich für die extrem lange Lebensdauer bei
Aufrechterhaltung der Funktionalität sind außerdem zweierlei Dinge: Zum einen erscheint das robuste PTFE an sich mit seinen exzellent
geeigneten physikalischen Eigenschaften, unverwüstlich zu sein (s.u.). Zum
anderen verhindert eine lipophobe Substanz in der Membran, dass Fremdstoffe wie
Körperfette oder Insektenschutzmittel die Mikroporen verstopfen. Somit bleibt
die gewünschte Semipermeabilität („Halbdurchlässigkeit“) der Klimamembran auf
Dauer erhalten.  Anwendungsbereiche
mit spezieller Verarbeitung – Die Laminate:
Die Firma Gore (W.L. Gore & Associates GmbH), die die
Gore-Tex- und Windstopper-Membranen entwickelte, sowie die Patente auf diese
innehat, versorgt ausgewählte Hersteller von Funktionsbekleidung mit seinen
Membranen; dies ist stets an den entsprechenden Labeln zu erkennen. 
Doch je nach Einsatzgebiet des ganzen Kleidungsstückes,
variieren die Ansprüche an die Eigenschaften des Textils. Vom Bergsteigen über
das Mountainbiken bis hin zur reinen Alltagsbekleidung sind entweder verstärkt
Robustheit, ein niedriges Gewicht, geringes Packvolumen, ein weicher Griff,
Designmöglichkeiten oder völlig verschiedene Klimabereiche zu berücksichtigen. Um jedem dieser Ansprüche gerecht werden zu können, muss die
Membran auf spezielle Art verarbeitet, mit speziellen Textilien in
unterschiedlichen Schichtenkonstruktionen laminiert werden. Daher hat Gore eine Reihe von verschiedenen Laminaten (von lat.: lamina
= „die Platte“, „die Schicht“) entwickelt, welche z. Zt. für die
Gore-Tex-Membran unter folgenden Namen mit folgenden Haupteinsatzgebieten bekannt
sind:
- Gore-Tex 2-Lagen Laminat (Wandern, Berg-, Winter- und
Radsport) - Gore-Tex 3-Lagen Laminat (Berg-, Rad- und Motorsport) - Gore-Tex XCR 2-Lagen Laminat (Wandern, Trekking, Berg- und
Radsport) - Gore-Tex XCR 3-Lagen Laminat (Klettern, Berg- und
Radsport) - Gore-Tex XCR 2-Lagen Laminat mit Isolierung (Ski- und
Snowboardsport) - Gore-Tex
PACLITE Laminat (Klettern und Radsport) - Gore-Tex
Z-Liner (City Wear, Mode) - Gore-Tex Soft Shell Laminat (Berg- und
Wintersport) Polytetrafluorethylen
(PTFE):
PTFE ist ein homogenes Fluorpolymer, welches sich durch
seinen sehr geringen Reibwert, eine niedrige Adhäsion (von lat.: adhaerere = „anhängen", „anhaften"; = Zusammenhangskräfte zwischen den Molekülen eines festen und eines flüssigen Stoffes), eine niedrige Festigkeit
sowie vor allem durch seine hervorragende Beständigkeit gegenüber Chemikalien
(die höchste unter den Hochleistungskunststoffen), extremen Temperaturen und
UV-Strahlung auszeichnet. Letztere sorgt dabei ebenso wenig für
Volumenänderungen und Verwitterung des Kunststoffes wie Feuchtigkeit. Das
Geheimnis hinter der Tatsache, dass dieses Polymer so reaktionsträge, somit nur
äußerst schlecht angreifbar ist, sind die Bindungen zwischen den Fluor(F)- und
den Kohlenstoff(C)-Atomen. Da das Fluor unter allen Elementen die höchste
Elektronegativität (EN, Formelzeichen: χ; =
Eigenschaft eines Atoms, Elektronen aus Elektronenpaarbindungen zu sich
heranzuziehen) besitzt, sind sie sehr fest und nur äußerst schwer aufzubrechen
(denn dazu müssten die entsprechenden Elektronen dem Fluor „entrissen“ werden).
Die Entdeckung des PTFE erfolgte 1938 per Zufall: In der eigentlichen Absicht, ein neues Kühlmittel für
Kühlschränke zu erfinden, führte der Chemiker Roy Plunkett Versuche mit Tetrafluorethylen
(TFE) durch. Anstatt dieses Gases fand er eines morgens in seinem
Versuchsbehälter kleine weiße PTFE-Krümel vor. Zunächst schien eine technische Nutzung unmöglich zu sein, da die
Herstellkosten zu hoch und keine Anwendungsbereiche vorhanden waren.
Nachdem die Firma DuPont (u.a. auch bekannt für ihr „Kevlar“
– Aramidfasern) 1941 das Patent erhielt, folgte dann 1943 doch die erste
technische Verarbeitung – im Atomwaffenbau. Als die Wissenschaftler des amerikanischen
„Manhatten-Projektes“ im Zweiten Weltkrieg an der Konstruktion der A-Bombe
arbeiteten, suchten sie dringend nach einem geeignetem Material, aus welchem
sie einen Behälter für das äußerst korrosive Uranhexafluorid herstellen
mussten. Keiner der gängigen Stoffe schien geeignet zu sein, bis man das PTFE
wiederentdeckte und für den benötigten Schutz vor Korrosion einsetzte.
Colette Grégoire, Ehefrau des französischen
Chemikers Marc Grégoire, sah 1954 schließlich eine Möglichkeit für den Einsatz
des Polymers, der sicherlich den meisten Menschen geläufig sein mag: als
Beschichtung für Töpfe und Pfannen (in diesem Bereich ist PTFE uns heute als „Teflon“
bekannt).
Je nach Hersteller, Anwendungsgebiet und Form, ist das
in reiner Form weiß erscheinende PTFE unter verschiedenen Handelsnamen im
Umlauf. In der Dichtungstechnik heißt es beispielsweise Simmering oder
Radiamatic, als Beschichtungsmaterial von Töpfen und Pfannen ist es, wie erwähnt,
als Teflon berühmt und in Form von Klimamembranen eben als Gore-Tex oder
Windstopper.
Grundsätzlich hergestellt wird das Polytetrafluorethylen
dabei wie folgt: Aus dem Ausgangsstoff Chloroform (CHCl3) erhält man mittels
partieller Fluoridierung über einen Zwischenschritt Tetrafluorethylen (TFE).
Die anschließende Polymerisation sorgt dafür, dass die TFE-Moleküle in Ketten
zusammengelagert sind – daher auch „Poly-“ Tetrafluorethylen. Die Herstellungsmethode hat sich prinzipiell seit den Anfängen des PTFE
nicht verändert und trägt mit „Plunkett-Verfahren“ den Namen des Entdeckers.
Die Anfänge Gores
Die Geschichte von W.L. Gore Associates ist die Geschichte
einer Firma „vom Keller bis zum Großunternehmen“. Als Bob Gore, Firmengründer und schließlich Erfinder der
Gore-Tex-Membran, 1958 als Student damit begann, im besagten eigenen Keller
Drahtisolierungen aus PTFE zu fertigen, wurde der erste Schritt zu der
Verarbeitungsvielfalt dieses Kunststoffes getan, wie wir sie heute kennen. Zunächst ließ er PTFE-isolierte Kabel und Drähte
produzieren, die u.a. auch von der NASA bei ihrer ersten Mondmission eingesetzt
wurden. 1969 wird dann die Gore-Tex-Membran erfunden und 1970 auf
den Markt gebracht – noch für die Herstellung von Spezialkabeln, -fasern und
–filtern; doch 1976 kam es zum ersten kommerziellen Einsatz der Membran für die
Textilherstellung. 1991 folgte dann die Windstopper-Membran.
Offizielle Links:
www.gore.de www.gore-tex.de www.windstopper.de
Neben dem Allseits geläufigen Namen „Gore-Tex“, ist den
meisten Menschen „Sympatex“ in der Membrantechnologie nicht minder ein Begriff.
Da die Gore-Tex- und die Sympatex-Membran die beiden „großen Klassiker“ in
Sachen Klimamembranen darstellen und prinzipiell Gleiches versprechen, wird
sich demnächst ein weiterer Artikel auch Gores völlig unterschiedlich
aufgebautem Konkurrenzprodukt widmen.
Christian Wachter
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