Zwei Klimamembranen, ein Versprechen: 100% winddicht, 100%
wasserdicht, optimal Atmungsaktiv. Letzten Monat stellten wir euch die bekannte
Gore-Tex-Membran etwas näher vor; nun kommen wir zu ihrem deutschen
Konkurrenten: Sympatex. Wie sich der zweite große Name der Membrantechnologie
im Vergleich zu seinem US-amerikanischen Pandan schlägt, sei im Folgenden
dargestellt.
Aufbau, Form und
Wirkungsweise
Die Sympatex-Membran besteht aus den beiden Polymeren (von
altgriech.: poly = „viel“; meros = „Teil“) Polyester und Polyether und stellt
somit eine Blockcopolymer-Folie dar, die ebenso wie die Gore-Tex-Membran auf
einen textilen Trägerstoff laminiert (geklebt) werden kann.
Doch gleich bei den physikalischen Beschaffenheiten wird der
allergrößte Unterschied zu der Porenmembran deutlich: Sympatex besitzt
keinerlei solcher Poren, sondern weist eine geschlossene Struktur auf. Man
spricht hierbei folglich nicht von einem mikroporösen, sondern von einem
kompakten Membransystem.
Dass solch ein Material dennoch extrem atmungsaktiv sein
kann (Atmungsaktivität wird u.a. im so genannten Ret-Wert gemessen, der bei der
Sympatex-Membran je nach Verarbeitung/Veredelung mit bis zu 1,5 deutlich über
dem Grenzwert für extreme Atmungsaktivität liegt), lässt sich folgendermaßen
erklären:
1. Atmungsaktivität:
Die an sich hydrophobe („wassermeidende/-abstoßende“)
Polyestermembran besitzt 57 Milliarden eingelagerte Polyethermoleküle pro cm²,
welche wiederum hydrophil („wasserliebend“) sind. Einzelne, sich frei von
anderen bewegende Wassermoleküle – d.h. Wasser in Gasform – können so über
einen physikalisch-chemischen Prozess billardartig über die Polyetherbausteine
an die andere Seite der Membran geschleust werden – durch das Polymer hindurch.
Dieses Prinzip funktioniert – wie bei allen
Klimamembransystemen im Allgemeinen – aber erst aufgrund der Tatsache, dass auf
den beiden Seiten der Membran ein Konzentrationsunterschied der Wasserteilchen
herrscht. Das so entstandene Konzentrationsgefälle erzeugt in der Folge einen
Druck, der einen Ausgleich der Konzentrationen auf beiden Seiten antreibt. Ein
Wärmeunterschied der Luft auf beiden Seiten der Membran beschleunigt das Ganze
noch einmal.
Im Endeffekt bedeutet dies also: Je größer die Unterschiede
von Wassermolekülkonzentration und Temperatur zwischen den beiden Seiten sind,
desto effektiver arbeitet die Membran. Dass man deshalb keinen
allgemeingültigen Wasserdampfdurchgangswiderstand (Ret-Wert) angeben kann –
lediglich Höchstwerte –, ist selbsterklärend.
 2. Wasserdichte:
Wie sein Pandan von Gore-Tex so ist auch Sympatex’ Produkt
selbstverständlich eine semipermeable („halbdurchlässige“) Klimamembran. Das
bedeutet, dass zwar, wie bereits beschrieben, Wasser in Gasform durch sie
hindurch gelangen kann, jedoch nicht in flüssigem Aggregatzustand (von lat.:
aggregatum = „das Angehäufte“).
Die Erklärung hierfür erscheint allerdings ungleich simpler
zu sein: Die kompakte – also lückenlose – Beschaffenheit und die Wasser
abweisende Wirkung des Polyester sind der erste Grund. Dass nun das Wasser
nicht wie oben beschrieben auch in flüssiger Form über das Polyether passieren
kann, liegt an den Bindungskräften, die zwischen den Wassermolekülen herrschen,
wenn sich Wasser in besagtem Aggregatzustand befindet. Somit können sie sich
nicht frei von einander bewegen – das „Billardprinzip“, das jedes einzelne
Molekül durch die Membran schleusen lässt, kann hier nicht zustande kommen. Die
Membran selbst besitzt hierbei schon eine Wassersäule von etwa 10 Metern, und
je nach Verarbeitung ein fertiger Verbund mit dem Textil von bis zu 250 Metern
(3-Lagenlaminat). Die Wassersäule gibt dabei an, welche Wassermasse mit einem
Meter Durchmesser für zwei Minuten auf ein Material drücken kann, ohne, dass
durch dieses Feuchtigkeit durchdringt.

3. Winddichte:
Noch knapper muss die Erklärung für die Winddichtung der
Membran ausfallen: Anders als bei einer porösen Membran verwirbelt der Wind
nicht im eigenen Innern, sondern die kompakte Form an sich lässt keinen Wind
durchdringen.

Als Fazit kann festgehalten werden, dass man mithilfe eines Kleidungsstückes
mit eingearbeiteter Sympatex-Membran strömendem Regen und starkem Wind
ausgesetzt sein kann, ohne nass zu werden und einen Luftzug durch die
Bekleidung hindurch zu spüren. Letzteres ist vor allem im Sportbereich ein
wichtiger Faktor, da Wind den körpereigenen Wärmeschutzschild zerstört und man
subjektiv eine deutlich niedrigere Temperatur wahrnimmt als die wirklich
vorhandene. Je höher die Windgeschwindigkeit dabei ist, desto gravierender
fällt die Auskühlung aus; man spricht hierbei von dem so genannten
„Wind-Chill-Effekt“. Darüber hinaus führt die hervorragende Atmungsaktivität
dazu, dass die Bekleidungsinnenseite selbst bei hoher körperlicher Belastung
nicht extrem feucht wird und sich auf diese Weise ein Wärmestau bildet.
Versprechen, die sich mit denen des Konkurrenten decken.
Doch kommen wir zu weiteren Unterschieden:
Sympatex ist (je nach Einsatzgebiet) ab 0,005 – 0,01 mm dick
(Gore-Tex: 0,02 mm), somit sehr leicht sowie auf das dreifache (Gore-Tex: ca.
das zweifache) ihrer eigentlichen Größe dehnbar, daher extrem felxibel.
Letzteres lässt die Herstellung von sehr dehnbaren, flexiblen Kleidungsstücken
zu, was den Tragekomfort in Punkto Beweglichkeit anhebt. Da es keine Poren
gibt, die durch Schmutzpartikel, Salzkristalle oder Waschmittelrückstände verstopft
werden könnten, gibt der Hersteller Sympatex Technology ein Versprechen, das
die dauerhafte und qualitativ gleich bleibende Funktionalität seiner Membran
garantiert. Das soll jedoch nicht bedeuten, dass das Verstopfen der Poren ein
generelles Problem der Gore-Tex-Membran wäre. Wie schon in dem letzten Artikel
beschrieben, wirkt hier eine lipophobe („fettmeidende/-abweisende) Substanz in
der Membran eben dem entgegen. In der Praxis stellt dieses theoretische Problem
somit eher einen geringfügigen Mangel dar.
Sowohl für kompakte als auch für mikroporöse Membranen im
Allgemeinen gilt, dass man auf Weichspüler verzichten und regelmäßige
Nachimprägnierungen durchführen sollte. Was wie ein allgemeiner Pflegetipp
anmutet, ist in Wahrheit keine unwesentliche Notwendigkeit, die sich ergibt,
wenn man die Funktionalität seiner Spezialbekleidung dauerhaft und uneingeschränkt
aufrechterhalten will. Hier ist die Membran nicht die entscheidende Komponente,
sondern das Textil: Weichspüler hinterlässt beim Waschen Rückstände, die die
Imprägnierung beeinträchtigen können und die Bekleidung regelrecht „besetzen“.
Ist die Imprägnierung mangelhaft, so perlt Wasser logischerweise nicht mehr an der
textilen Oberfläche ab. Das bedeutet in der Folge, dass sie sich voll saugt;
die Atmungsaktivität und die Wärmeisolation sind damit beeinträchtigt.
Laminate und
Veredelungen
So wie die meisten Hersteller von Klimamembranen, so fertigt
auch Sympatex eine Reihe von „Varianten“ seines Produktes. Das Besondere hier
ist, dass nicht nur grundlegend verschiedene Laminate (von lat.: lamina = „die
Schicht“) – also Arten, wie die Membran auf einen textilen Träger geklebt
(laminiert) wird – vorhanden sind, sondern dass bei diesen auch noch
unterschiedliche Veredelungsverfahren angewendet werden. Hierdurch soll jedes
Kleidungsstück den besonderen, individuellen Ansprüchen verschiedenster Gruppen
(von „Otto-Normal“, der auch im Alltag Funktionswäsche schätzt, über den
Wanderer bis hin zum Ausdauersportler) und den verschiedensten Klimabereichen
gerecht werden.
Im Großen und Ganzen muss man bei Sympatex zwischen drei
Ebenen unterscheiden:
1. Die Art der Laminierung
2. Die Konkrete Laminattechnologie mit ihrer Verarbeitung
3. Die Veredelung des Laminats
1. Art der Laminierung
Für Bekleidung sind vier verschiedene Laminattypen vorhanden:
Grundsätzlich befindet sich die Membrane zwischen der
Obersten Textilschicht und einem Futterstoff; man unterscheidet dann zwischen
dem Oberstoff- oder Direktlaminat (hier wird die Membrane direkt mit Innenseite
der obersten Textilschicht verbunden), dem Futterstofflaminat (Laminierung mit
dem Futterstoff), dem Dreilagenlaminat (Oberstoff, Membran und Futterstoff
bilden eine Einheit) und dem Insertlaminat (Die Membrane ist mit einem Fleece
oder einer Wirkware verbunden und liegt lose zwischen Ober- und Futterstoff.
Jede dieser Varianten hat ihren Vorteil: Das Direktlaminat
eignet sich beispielsweise gut für die Herstellung von leichten, sehr robusten
Sport- und Freizeitjacken. Das Futterstofflaminat findet für sehr leichte und
modische Bekleidung Verwendung. Das Dreilagenlaminat ist aufgrund seiner
extremen Robustheit und Strapazierfähigkeit sehr für Arbeitskleidung oder für
den sportlichen Einsatz mit hohen Ansprüchen geeignet. Bleibt noch das
Insertlaminat übrig, das sehr flexibel zu verarbeiten ist und damit viel
Gestaltungsfreiraum bietet; demnach ist es gut in modischer Freizeitbekleidung
einsetzbar.
Für Schuhe sind drei Laminate zu unterscheiden:
Zum einen gibt es das Oberstofflaminat (Im Aufbau und
Einsatzbereich gleicht es der Variante für Bekleidung, nur, dass auf die
Unterseite der Membrane zusätzliche eine Wirkware laminiert ist), das
Dreischichtfutter (Futter und Membran bilden eine Einheit, auf die Membran ist
eine Wirkware geklebt) sowie das Bügellaminat (Membran und Wirkware werden als
Laminat mit Klebepunkten auf ein Lederfutter aufgebügelt, was sich besonders
für modische Cityschuhe eignet).
2. Laminattechnologie und dessen Verarbeitung
Sympatex hat eine recht überschaubare Auswahl an
Laminattechnologien. Im Gegensatz zu Gore-Tex (und Windstopper) stehen „nur“
drei zur Auswahl:
Allweather: Der
Klassiker von Sympatex – Wasser- und Winddichtigkeit sowie Atmungsaktivität stehen im Mittelpunkt.
Windmaster: Winddicht
und extrem atmungsaktiv. Sie ist die dünnste und damit effektivste Sympatexmembran, was die Ventilation angeht.
Durch die fehlende Abdichtung der Nähte,
Reißverschlüsse und Knöpfe kann sie nur als Wasser abweisend, nicht aber als dicht bezeichnet werden. Somit kommt sie
Gores Windstopper-Membran gleich.
Professional: Wasser- und winddicht, atmungsaktiv sowie
durch die Verwendung eines Dreilagenlaminats besonders strapazierfähig.
3. Veredelung des Laminats
Schnell wird klar, dass Sympatex mit einer ganz anderen
Aufteilung als Gores arbeitet, um ein Kleidungsstück individuellen Ansprüchen
anzupassen. Denn viele spezielle Eigenschaften werden erst über Veredelung
geschaffen. Dabei kommen – je nach Einsatzgebiet – nicht alle
Veredlungstechniken bei allen drei Laminaten zum Einsatz:
higH2Out: Hinter diesem Namen versteckt sich ein wirklich
innovatives Konzept. higH2Out ermöglicht
neben der herkömmlichen Wirkweise auch, dass Wasser in flüssiger Form durch die Membran gelangen kann. Was nach
obigen Erläuterungen als unmöglich erscheinen
muss, wird durch eine weitere Lage direkt auf der Membran bewirkt: Sie ist hydrophil, saugt extrem schnell
flüssiges Wasser auf und verteilt dieses großflächig an der Membran-Oberfläche. So werden die Moleküle an die Membran
weitergereicht, so dass sie sie nach bekannter
Weise passieren können. Die Atmungsaktivität soll hierdurch laut Herstellerangaben nochmals um 120% gesteigert
werden, was einem Hitzestau zwischen
Haut und Bekleidung noch intensiver entgegenwirkt und dem dampfförmigen Wasser noch mehr die
Möglichkeit nimmt, an der Haut zu kondensieren.
Dadurch kann es nämlich zu rascherem Auskühlen nach dem Aussetzen der körperlichen Belastung kommen (sog.
„Post-Chill-Effekt“). Bleibt noch zu erwähnen,
dass durch die Verdunstung innerhalb der hydrophilen Lage ein leichter Kühleffekt eintritt, was einem an besonders
warmen Tagen zugute kommt. Erhältlich mit
allen Laminaten.
 (Wasser in flüssigem
Zustand nach herkömmlichem Prinzip)
 (Wasser in flüssigem
Zustand bei einer higH2Out-Membran)
reflexion: Aufgedampftes Aluminium ermöglicht, dass die
Membran an sich einen wärmenden
Effekt bieten kann. Das Aluminium reflektiert dabei bis zu 75% der abgegebenen Körperwärme, was die
Konstruktion von sehr leichter und dünner Winterbekleidung
möglich macht. Erhältlich mit allen Laminaten.
phaseable: Hier wird eine bedarfsgeregelte Klima- und
Ventilationssteuerung – je nach Aktivitätsniveau
– bei Jacken ermöglicht. Auf der Membran befinden sich so genannte Schaumdots, zwischen denen sich Luft befindet.
Diese Luftschicht isoliert und wärmt in
der Folge bei niedriger Aktivität. Steigt jedoch das Niveau, schwitzt der
Körper verstärkt. Dadurch
nimmt die Membran Wasser auf, sie dehnt sich folglich aus und füllt die Lücken zwischen den Dots. Nun ist
also die isolierende Luftschicht nicht mehr
vorhanden und die Volumenvergrößerung hat den Effekt, dass die Membran noch atmungsaktiver wird.
Nebenbei
werden auf diese Art die Vorteile von Zwei- und Dreilagenlaminaten verknüpft: Eine phaseable-Membran sei
laut Hersteller so leicht wie die zweilagige und
so robust wie eine dreilagige. Erhältlich mit allen Laminaten.
 (Phase 1) (Phase 2)
edition < 500: Hier hinter steckt das Prinzip, Jacken
fertigen zu können, die insgesamt höchstens
500g wiegen. Dabei werden alle Funktionen der Membran ohne Abstriche gewährleistet. Nur mit dem Allweatherlaminat
erhältlich.
airflow: Ein spezieller Ventilationseffekt unterstütz die
Klimaregulation. Erhältlich nur für Schuhe
und mit dem Allweather- und Professionallaminat.
Zum Unternehmen Sympatex Technology
Sympatex Technology ist
der erste Hersteller einer Wind und Wasser abweisenden sowie atmungsaktiven
Klimamembran in Europa. Das Novum, eine porenlose Membran auf den Markt zu
bringen, führte zum momentanen Kopf-an-Kopf mit dem großen Namen aus den USA –
Gore-Tex.
Sympatex findet dabei vor allem in Alltags-, Sport- sowie
Arbeitsbekleidung einen Einsatz. Dabei sind ausschließlich lizenzierte
Hersteller von Funktionsbekleidung berechtigt, die Membran zu verarbeiten.
Doch ehe jedes Bekleidungsstück das blaue Label tragen darf,
finden eine Reihe von Tests und Kontrollen statt. Einer der zentralsten Ideale
in der Firmenphilosophie ist nämlich die Qualitätssicherung. Tests vor, während
und nach der Fertigung sollen dies ermöglichen. Hierunter fallen nicht nur
Regen- (für die Wasserdichtigkeit), Scheuer-, Atmungsaktivitäts-,
Nahtversiegelungs-, Spray- (für die Wasser abweisende Wirkung) oder
Gehsimulationstest. Eben auch die Kontrolle von Detailarbeiten der Verarbeitung
wird streng beäugt. Dabei arbeitet Sympatex Technology eng mit seinen Partnern
zusammen – seien es nun Laborversuchsmöglichkeiten, Produktionsrichtlinien,
Schulungen oder technische Unterstützung. Zur Nahtversiegelung dienen ausschließlich
Sympatex-Membran-Tapes, die mit der übrigen Membran verschweißt werden muss.
Testschritte wie etwa die Qualitätskontrolle der Membran und
des Laminats an sich stehen an erster Stelle. Darauf folgen Tests der
Prototypen der Hersteller, ehe ein Produkt für den Markt freigegeben wird.
Letztlich sorgen Testkäufe im Einzelhandel durch Sympatex Technology für die
abschließende Sicherheit.
Erst durch diese penible Qualitätskontrolle kann das
Versprechen für absolut sicheren Klimaschutz und optimale Atmungsaktivität
sowie eine lebenslange Garantie auf die Membran gegeben werden.
Die Sympatex-Membran wird umweltfreundlich, d.h. ohne
Verwendung von Lösungsmitteln oder Halogenen, nach Öko-Tex Standard 100
produziert. Sie zerfällt nach der Entsorgung in ihre Bestandteile: Kohlen-,
Sauer- und Wasserstoff.
Christian Wachter
Hersteller: www.sympatex.de
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