Produktkonzept und -konstruktion
Alles
in allem präsentiert sich der Unique als ein recht simpel konstruierter Schuh
ohne viel Schnickschnack und Details.
Dass
Vittoria hier einen Wettkampfschuh für das Straßenrennen konzipiert hat, wird
vor allem anhand der sehr leichten Konstruktionsweise von 195 gr. (bei
Schuhgröße 41) fassbar:
Zum
einen ist die nur 3,5 mm starke Voll-Karbonsohle zu benennen. Die hier
verarbeitete „Vittoria Lightech Full Carbon“-Technologie bietet Lufteinlässe
für die Klimaregulierung („AIR B System“), woraus primär optimale
Steifigkeit und Komfort erreicht werden sollen.
Zum
anderen verbirgt sich hinter dem Namen „Vlight“ eine weitere entscheidende Innovation
für das Obermaterial: Es besteht aus einer Kombination zweier sehr leichter
Mikrofasern, die – mit einem Kunststofffinish versehen – einen nahtlosen
Schnitt ermöglichen, welcher nicht einschrumpfen könne. Und in der Tat
kann man lediglich eine Naht, die besagtes Obermaterial mit dem Laschenansatz
verbindet, sowie eine im Übergang zum Fersenbereich ausmachen. Somit ergibt
sich das Bild von einem quasi nahtlosen Schuhwerk, das über diverse
Belüftungslöcher an den Seiten und dem vorderen Spann verfügt und mittels
dreier einfacher Klettverschlüsse an den Fuß befestigt wird.
Die
Ferse ist dabei durch versteiftes Material gesichert, liegt allerdings nicht in
einer speziellen Konstruktion, etwa aus Hartplastik.
Bleibt
noch die Oberlasche zu erwähnen; sie ist einzig am Ansatz im Spannbereich
befestigt und mit einer Lasche für den mittleren Klettverschluss versehen.
In
drei verschiedenen Farbvarianten – in chromfarben, weiß-rot sowie schwarz –
produziert der italienische Radschuhhersteller, zu deren ausgestatteten
Radsportprofis u.a. Hanka Kupfernagel sowie Alessandro Bertolini zu zählen
sind. Auch Marco Pantani fuhr 1998 seinen Tour-de-France-Sieg in
Vittoria-Schuhen ein.
In der Praxis
Handhabung
Aufgrund
seiner einfachen und übersichtlichen Konstruktion ergibt sich grundweg ein
angenehm unkomplizierter Umgang mit dem „leichten Italiener“; der Einstieg
gestaltet sich denkbar mühelos, ebenso die Fixierung am Fuß – eben weil die
drei Verschlüsse auch keinen großen Spielraum zulassen.
Negativ
fiel bei unserem Praxistest allerdings bereits vor der Anprobe die Montage der
Pedalplatten auf:
Bei
unserem Testmodell waren die Gewinde teilweise mit einer dünnen Schicht
Kunststoff versiegelt. Bei den meisten von ihnen konnte das Plastik problemlos
durch das Eindrehen der Schrauben durchstoßen werden; bei wenigen anderen
jedoch war die besagte Schicht derart hinderlich, dass sich die Schraube nicht
richtig in das Gewinde drehen ließ. Wir kamen nach mehrmaligen Versuchen
nicht drum herum, die Kunststoffreste mühevoll mit einem spitzen
Gegenstand zu entfernen.
Passform/Komfort
Bereits
beim erstmaligen Anprobieren erwies sich der leicht schmal geschnittene Unique
als sehr geschmeidig und lag angenehm sanft um den Fuß. Das nahtlose
Obermaterial, welches bereits beim Anfassen durch seinen weichen Griff auffiel,
sowie die Verschlüsse aus selbigem Fabrikat gewährleisten diesen subjektiven
Eindruck.
Unsere
Tester bemerkten hierbei, dass die bei italienischen Schuhherstellern meist
recht heikle Frage nach der Größe recht einfach beantwortet werden kann: Die passenden
Modellgrößen deckten sich mit der gewohnten europäischen Passform - die Straßenschugröße ist 1:1 übernehmbar.
Nun
mag der Eindruck entstehen, dass sich der Schuh während des Fahrens sehr
schwammig verhalten und gerade während der Zugphase am Pedal dem Fuß zu viel
Spielraum geben würde. Jedoch zeigte sich während unserer Probefahrten
vielmehr, dass der Unique einen durchaus angenehm mittelfesten Sitz
gewährleistet, der irgendwo zwischen einem sehr weichen
Triathlon-Wettkampfschuh und einen festen Roadbike-Modell mit
Ratschen-Fixierung anzusiedeln ist. Eine störende zu hohe Flexibilität konnte
im eigentlichen Sinne so nicht beobachtet werden.
Darüber
hinaus war eine positive Ventilation zu verzeichnen: Mag man der versiegelten
Kunststoffoberfläche trotz der 30

kleinen Luftlöcher vielleicht nicht im ersten
Moment zutrauen, dass hier eine ausreichende Atmung der Haut ermöglicht wird,
so bemerkten wir, dass sich während der gesamten Zeit ein zufrieden stellend
neutrales Klimabefinden am Fuß einstellte.
Über
die genannten Aspekte hinaus fiel Vittorias Unique grundsätzlich durch
Unauffälligkeit auf: Das geringe Gewicht, eben der beschrieben neutrale
Tragekomfort wie auch die ordentlich arbeitende Sohle ließen den Schuh am Fuß kaum
spürbar werden, was sicherlich dem Konzept des Schuhs gerecht wird.
Fazit
Dem
ambitionierten Straßenrennfahrer wird der Unique von Vittoria durchaus zu
flexibel sein. Kann das angegebene Konzept als Wettkampfmodell so nicht
vollends überzeugen, erscheint dieser unkomplizierte, etwas schmale Schuh als
ein zufrieden stellender, angenehmer und solider Trainingspartner.
Gerade
Triathleten, die gewohnt sind, im Wettkampf einen nicht allzu fest sitzenden
Schuh mit weichem Obermaterial zu tragen, dürfte der Unique zusagen – jedoch
sollte man sich überlegen, ob einem dieser Komfort die veranschlagten € 249,-
wert sind.
Doch
nicht nur die mittelfeste Passform – auch das geringe Gewicht und die durchaus
gute Ventilation gewährleisten ein angenehm unauffälliges und solides Tragegefühl
dieses nahezu spartanisch ausgestatteten Modells mit Kunststoffoberfläche.
Zu
bedenken bleibt allerdings, dass den Einstellmöglichkeiten aufgrund der simplen
Verschlusslösung Grenzen gesetzt sind.
Auch
die beschriebenen Probleme mit der Pedalplattenmontage sollten nicht unerwähnt
bleiben – stellen sie zwar einen zweitrangigen Negativpunkt dar, so verweisen
sie doch immerhin auf einen Mangel in der Verarbeitung. Und unter dem Strich wird der Unique seinem Namen gerecht und bleibt einzigartig. Man wird Ihn lieben oder hassen.
CW